Interview mit Oliver Tree

Was nicht passt, wird passend gemacht!
Im Gespräch erzählt Oliver seinen Werdegang und die neue Aufgabe.

Seit wann bist du in diesem Bereich aktiv?

Ziemlich genau seit 20 Jahren, mein Beginn muss ungefähr im Jahr 1999 gewesen sein.

Wie kommt man auf die Idee, sich mit dem Bau und der Bauart von Golfschlägern zu beschäftigen?

Ich war eines der Kinder, die seine Eltern dauernd genervt haben, weil ich immer das neueste Material haben wollte. Damals war Golf nicht oft im Fernsehen, aber es gab auch schon erste Werbungen von Callaway oder Mizuno und ich wollte diese neuen Schläger haben. Mich hat dann aber auch immer das WARUM interessiert, warum ich diese Schläger haben wollte, welche technischen Neuerungen es gab. Als nächster Schritt kam das Interesse für die unterschiedlichen Schäfte. Welche Parameter gibt es und wie wirken sie sich auf das Spiel aus.

Wie hat der Start deiner Tätigkeit ausgeschaut?

Mit einem Startbudget von rund 200 Euro habe ich begonnen und zuerst einmal meinen Mannschaftskollegen die Griffe erneuert. Danach habe ich an meinen eigenen Schlägern einiges ausprobiert und doch einige Fehler gemacht. Die schlimmsten Fehler musste ich am Beginn also immer selbst ausbaden, meine Kunden haben davon profitiert. Eigentlich habe ich mir die meisten Dinge selber beigebracht, Mark Johnson hat mir auch einiges gelernt.

Du hast dann selber Schläger gebaut, warst aber auch für Firmen tätig. Wie hat dein Weg da ausgeschaut?

Am Beginn habe ich markenunabhängig einfach Schläger angepasst, z.B. bei Schlägern besser geeignete Schäfte einzubauen. Danach habe ich für Titleist gearbeitet, dann für Adams und Hogan, zurück zu Titleist und auch für Cobra. Fitting war zu dieser Zeit ein echtes Handwerk: Es gab keine Flightscopes oder Launchmonitore, man musste immer den Ballflug analysieren. Man hat also fünf Driver mit fünf Schäften gehabt und dann war es Augenmaß, Gefühl und Erfahrung den richtigen Schläger für den jeweiligen Kunden auszusuchen. Damals waren auch die Komponenten noch überschaubar: Es gab nur wenige Produzenten von Schäften und weniger Modelle. Das heißt einerseits, die technischen Hilfsmittel waren stark reduziert, die Auswahl an Modellen und Schlägern aber auch. Heute ist es schwieriger in das Fitting zu starten, weil es unendliche Möglichkeiten gibt.

Was ist die Basis für einen guten Fitter- oder Clubmaker?

Erfahrung ist beinahe das Maß aller Dinge. Würde man heute damit starten, gibt es dermaßen viele Informationen, dass das fast nicht bewältigbar ist. Klaus und ich sind wie gesagt beide seit Jahrzehnten dabei und damit haben wir alle Entwicklungen mitgemacht und sind mit diesen aufgewachsen. Das ist ein unglaublicher Vorteil am Ende des Tages. Ein weiterer Aspekt ist natürlich, dass man selbst ein zumindest brauchbarer Spieler sein sollte. Damit hat man einfach eine größere Glaubwürdigkeit und kann seinen Kunden mit viel mehr Selbstvertrauen beraten. Viele Spieler des Nationalteams und Playing Professionals kommen zu Klaus und mir, weil sie wissen, wir kennen uns einfach auf diesem Gebiet am besten aus.

Du bist ja selbst auch mehrmaliger Staatsmeister oder?

Zweifacher Staatsmeister im Matchplay bei den MidAm’s, zweifacher Mannschaftsmeister mit dem GC Himberg, Internationaler Ungarischer MidAm-Meister und MidAm-Nationalteamspieler.

Deine neue Aufgabe ist das ‚Panther Fitting‘ für die Murhof Gruppe. Erzähl uns ein wenig darüber.

Den Kontakt zu Fanny Wolte und Gerald Stangl war immer da und wir wollten immer etwas gemeinsam machen. Mit der Größe der Gruppe war nun die Umsetzung dieser Idee möglich und die Mitglieder der Murhof Gruppe können vor Ort profitieren. Großer Dank geht auch an das Team des GC Schwechat und des GC Tuttendörfl, Christoph Schneeberger und Christoph Schifter, die maßgeblich an der Umsetzung beteiligt waren. Ideal ist natürlich auch die Zusammenarbeit mit Klaus Deschmann.

Callaway, Titleist, Ping und Taylor Made sind für den Start beim Panther Fitting in der Auswahl. Warum genau diese Marken?

Prinzipiell hat es natürlich noch weitere interessante Marken gegeben, aber man musste sich einfach – auch aus Platzgründen – für ein Sortiment entscheiden, das möglichst alle Golfspielerinnen und Golfspieler abdeckt. Hier haben wir aus unserer Sicht vom Top-Amateur bis zum Anfänger alles abgedeckt.

Was ist der Vorteil von Produkten dieser Marken oder anerkannter Marken im Vergleich zum Kauf eines No-Name-Produkts?

Prinzipiell ist das Budget der großen Firmen sehr hoch und damit ist der wissenschaftliche Hintergrund in der Entwicklung natürlich viel größer. Dadurch haben diese Firmen natürlich einen Vorteil. Man muss sich halt einfach beim Kauf kleinerer Marken bewusst machen, dass man beim Preis-Leistungsverhältnis nicht immer ganz vorne ist und oftmals diese Clubmaker aufgrund der geringen Erfahrung wirklich auch Fehler in der Zusammenstellung der Schläger machen. Oftmals zahlt man hier Geld für die kleine Boutique-Marke und nicht für den technischen Fortschritt des Materials.

QC-Quad ist dein kleiner Helfer beim Panther Fitting. Erzähl uns etwas über ihn.

QC Quad ist die neue Version eines Trackmans und basiert auf Kameras. Man klebt auf die Testschläger kleine Vermessungspunkte und man bekommt damit sehr genaue Daten für die Einschätzung. Man sieht dann an diesen Balldaten, was der Schlägerkopf macht und je genauer diese Daten sind, desto besser kann das Material abgestimmt werden.

Du hast die erste Tour auf den Anlagen der Murhof Gruppe bereits hinter dir. Wie läuft es?

Ganz ehrlich, es macht richtig großen Spaß. Wir hatten zwar nicht immer Glück mit dem Wetter, aber unserer professioneller Auftritt kommt an und die Mitglieder freuen sich, professionell auf den Anlagen arbeiten zu können.

Der Fitting-Experte ist seit 2019 mit dem Panther Fitting auf den Anlagen der Murhof Gruppe unterwegs.

Seit mittlerweile 2 Jahren ist Fitting-Experte Oliver Tree auf den Anlagen der Murhof Gruppe unterwegs. Lange genug, um den Niederösterreicher Bilanz ziehen zu lassen. In der Fitting-Welt herrscht das Du-Wort vor und dementsprechend wurde dieses Interview in diesem Stil geführt.

Oliver, wie fällt dein Resümee nach zwei Jahren Panther Fitting auf den Anlagen der Murhof Gruppe aus?

Positiv, absolut positiv. Ich erlebe immer mehr Golfspieler, die dem Thema gegenüber aufgeschlossen sind. Man kann es nicht oft genug
wiederholen: Fitting bedeutet nicht, jemand etwas aufzuschwatzen, sondern wirklich das ideale Material zu finden. Für einen Fitter gibt es so viele Möglichkeiten, das Material auszureizen und noch ein paar Meter rauszuholen, das kann man sich nicht vorstellen. Als Beispiel: Ein Light-Flex-Herrenschaft kann durchaus für sportliche oder großgewachsene Damen eingesetzt werden. Diese Varianten und damit die optimale Zusammensetzung kann man nur bei einem Fitting finden.

Welche Elemente des Schlägers sind dabei besonders wichtig?

Entgegen der landläufigen Meinung, dass der Schaft das Wichtigste ist, zählt für mich der Schlägerkopf am meisten, weil damit der Ball bewegt wird. Daher muss primär einmal der Schlägerkopf passen. In weiterer Folge werden die Flugparameter durch die Auswahl des Schaftes optimiert.

Damit haben wir den passenden Schläger fertig, oder?

Ganz und gar nicht! Eine entscheidende Rolle spielt natürlich die einzige Verbindung zwischen dem Spieler und dem Schläger: der Griff. Oberflächenbeschaffenheit und Größe bieten die Möglichkeit, die Verbindung zum Material so zu gestalten, dass damit die Kontrolle über den Schläger noch weiter erhöht wird.

Schäfte, Schlägerköpfe und Griffe – daraus baut der Fitting-Experte das perfekte Material für jeden Golfspieler.
Tour-Professionals wie Markus Brier kommen regelmäßig zur Materialkontrolle zu Oliver Tree oder Klaus Deschmann.
Die Basis jedes guten Fittings: Die Analyse der Schwungdaten.
Wie viele Schläge kann man sich deiner Meinung nur durch das richtige Material auf einer Runde ersparen?

Das hängt maßgeblich vom Handicap, sprich vom Durchschnittsscore, des jeweiligen Spielers ab. Bei einem Spieler mit Handicap 34 habe ich bei 34 Schlägen genug Spielraum, um mit gefitteten Schlägern 4 bis 5 Schläge einzusparen. Während bei einem Top-Spieler mit Handicap 0 nur mehr Nuancen möglich sind, ein bis zwei Schläge können es aber auch in diesem Bereich werden. Mir erscheint in diesem Zusammenhang aber noch ein Bereich erwähnenswert.

Welcher wäre das?

Speziell die Komposition der Wedges bzw. auch der Putter spielen dabei eine entscheidende Rolle. Bei den Wegdes ist das Gaping (Anm.: die Abstimmung der Lofts innerhalb der Wedges und auf den restlichen Eisensatz) entscheidend. Hat man zum Beispiel vier Wegdes im Bag und trainiert mit jedem Wedge einen Pitch und den vollen Schlag, hat man in Summe bereits acht Distanzen im Griff. Der Bounce und Grind (Anm.: die Sohlenbeschaffenheit der Wedges) sind von entscheidender Bedeutung für die Abstimmung der Wedges mit dem Schwung des Spielers, um möglichst konstante Treffmomente erzielen zu können.

Muss ich das als Spieler alles wissen?

Nein, genau in diesem Bereich bringt der Fitting-Experte sein Know-how ein, damit sich der Spieler ganz auf die Ausführung des Schlages konzentrieren kann. Nach dem ersten Fitting sind jedoch all diese Begriffe auch für den Spieler keine Fremdwörter mehr.

Du hast zuerst auch den Putter erwähnt. Was gibt es dazu zu sagen?

Wenn wir davon ausgehen, dass der durchschnittliche Amateur mindestens 36 Putts auf der Runde benötigt, sieht man gleich das Einsparungspotential.

 Das Aussehen des Putters ist oftmals die Triebfeder für den Kauf. Wie siehst du diese Thematik? 

In erster Linie versucht man, den optischen Vorlieben des Spielers zu folgen. Allerdings gibt es eine Vielfalt an Parametern, die die Performance wesentlich beeinflussen. Dazu zählen: Loft, Lie, Schlägerlänge, Gewichtsverteilung des Kopfes, das absolute Kopfgewicht, Griffstärke und Beschaffenheit sowie die „Rückmeldung“ der verschiedenen Schlagflächentypen.

Das klingt so, als ob man sich auch für die Auswahl des richtigen Putters etwas Zeit nehmen sollte?

Um speziell den Bereich des kurzen Spiels besser abdecken zu können, werden wir hier im nächsten Jahr neue Kurzspiel-Workshops im Rahmen des Panther Fittings anbieten. Für diesen Bereich hilft mir meine Ausbildung bei Bob Vokey und zum Capto-Putt-Coach. Keine Sorge, dieses Coaching ersetzt nicht die Pro-Stunde, aber es ist notwendig, um den idealen Putter finden zu können.

Panther Fitting
Das Ziel des Fittings: Die Ausrüstung ideal an den Spieler anzupassen, um ein regelmäßiges Treffen des Schlägers im Sweet Spot zu erreichen.
Daten werden an Ort und Stelle geprüft und wenn notwendig, wird das Material adaptiert.
Welche Firmen haben dich heuer bzw. jetzt im Herbst mit ihrem Material überrascht?

Bei den Hölzern sind gerade die neuen Titleist TSi-Driver in aller Munde und funktionieren wirklich gut. Martin Wiegele, Lukas Nemecz, Niklas Regner und Dominic Angkawidjaja waren bereits bei mir zum Fitting und sind danach auf dieses Modell gewechselt. Bei den Eisen hat Taylor Made mit den neuen P-770 ein sensationelles Modell im Segment der Players-Eisen am Start. Bei Callaway gefällt mir die neue Maverick-Serie sehr gut. Die drei Kopfmodelle der Hölzer ermöglichen eine Anpassung an fast jeden Spielertyp, und die Eisen sind im höheren Handicap-Bereich immer einen Versuch wert. Gemessen am Erfolg der G410-Serie freue ich mich schon auf die neuen G425-Modelle, die ich Anfang des Jahres erwarte.

Deine Fittings bekommen langsam auch internationalen Charakter. Ein EuropeanTour-Sieger ist im Anflug, oder?

Stimmt, ich habe mich im Oktober sehr lange mit Barry Lane unterhalten, und er wollte bereits im November nach Wien kommen. Leider hat das der Lockdown verhindert. In den nächsten Wochen sollte es aber soweit sein.